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Prof. W. Künne während seines Vortrags
Prof. Dr. phil. W. Künne am 5. Mai 2011 im Forum

Und der Wille ist doch frei


Artikel von Tim Caspar BOEHME in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
(Seite 44 / Montag, 8. März 2004, Nr. 57):
 

Weltweisheit für gebildete Laien: Das "Forum für Philosophie"
 

Der Philosoph Hegel soll kurz vor seinem Tod gesagt haben: "In Wirklichkeit hat mich nur einer verstanden", um nach einer Pause hinzuzufügen: "und auch der hat mich nicht eigentlich verstanden." Wer sich jemals mit den Schriften Hegels befaßt hat, weiß nur zu gut, wie wenig zugänglich dieser Autor ist. Als Bettlektüre, sind seine Texte allenfalls Profis zu empfehlen. Aber auch sonst hat kaum ein Philosoph der Nachwelt etwas hinterlassen, was sich mühelos konsumieren ließe. Kein Wunder, daß die großen Denker inder Regel nur von Leuten gelesen werden, die selbst Philosophie studieren oder studiert haben. PD Dr. phil. W. R. Köhler (Foto: Rainer Wohlfahrt, FAZ)

Aber auch heutzutage bemühen sich die Philosophen nur selten darum, ihre Forschung so darzustellen, daß jeder sie verstehen kann. Mit dem Erfolg, daß die Ergebnisse ihrer Bemühungen außerhalb der Universität auf wenig Interesse stoßen. Dabei ist das Bedürfnis nach Philosophie unter Nichtphilosophen gar nicht mal gering, wie die in den letzten Jahren entstandenen philosophischen Cafes belegen. Aber es gibt immer noch wenige Angebote dieser Art.

Eine in Deutschland wohl einzigartige Einrichtung ist das Frankfurter "Forum für Philosophie GmbH" in der Wielandstraße 31. Seit fast zwanzig Jahren bietet das Forum regelmäßig Vorträge für interessierte Laien an. Zudem ist das Forum ein Institut für Forschung, das bis heute insgesamt 28 Tagungen veranstaltet und 20 Bücher veröffentlicht hat, einen Großteil davon beim Suhrkamp Verlag. An den Tagungen nahmen namhafte Philosophen wie Jürgen Habermas, John Rawls oder Donald Davidson teil. Einen eigenen Verlag gibt es auch.

"Es war eine Idee, Philosophie unters Volk zu bringen", sagt Wolfgang R. Köhler, Gesellschafter und Geschäftsführer des Forums. Um ein Publikum zu erreichen, das über wenig oder keinerlei Vorkenntnisse verfügt, war es nötig, Fachleute zu finden, die allgemeinverständlich über Philosophie sprechen können.

Das war nicht immer einfach. "Wir hatten auch Professoren hier, bei denen wir gesagt haben: Die laden wir nicht mehr ein", erinnert sich Köhler. Wer im Forum vortragen wolle, müsse vor allem das Philosophieren lehren können, denn nur so ließe sich zeigen, worum es bei der Philosophie eigentlich gehe. Die Zuhörer sollten daher weniger mit der Geschichte der Philosophie konfrontiert werden als mit konkreten Problemen der philosophischen Tradition. Um die Teilnehmer anzuregen, selber mitzudenken, können die Zuhörer im Anschluß an die Vorträge an der Bar des Forums mit den Referenten diskutieren.

Zwei große Themen stehen in der ersten Jahreshälfte auf dem Programm. Zum einen würdigt auch das Forum Kant, dessen Todestag sich zum 200. Mal jährt. So wird der in Hamburg lebende Philosoph Manfred Geier, am 29. April seine vielgelobte Biographie "Kants Welt" vorstellen. Zum anderen gibt es eine Reihe von Vorträgen zum Thema Willensfreiheit. Den Anstoß dazu gab die vom Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer vertretene These, menschliches Handeln sei vollständig durch hirnphysiologische Prozesse bestimmt, weshalb es keine Freiheit geben könne. Einen Phi1osophen, der Singer, verteidigen würde, hat Köhler bisher nicht getroffen "Meiner Meinung nach ist das schlicht falsch was Singer behauptet", faßt Köhler seine eigene Position zusammen.

Doch das Forum beschränkt sich keineswegs auf die Diskussion aktueller Fragen. "Die so oft geforderte Aktualität ist häufig unerwünscht", gibt Köhler zu bedenken. So habe es im Mai 2001 einen, Vortrag zur Embryonenforschung gegeben. Am selben Tag habe der Bundestag darüber abgestimmt, ob Forschung an Embryonen erlaubt werden solle oder nicht. Zum Vortrag seien gerade einmal fünf Zuhörer erschienen, und die Referentin habe noch auf dem Weg ins Forum überlegt, ihre Veranstaltung abzusagen. "Wenn Aktualität tatsächlich einmal zustande kommt, ist die Akzeptanz oft gleich Null."

Finanziert wird das als gemeinnützig anerkannte "Forum für Philosophie" von der Mäzenin Gabriele Quandt-Langenscheidt. Auch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und davor die Stadt Bad Homburg haben Tagungen gefördert. Mit der Universität Frankfurt gibt es ein Kooperationsabkommen. Köhler, der an der Universität Frankfurt bei Herbert Schnädelbach promoviert und im vergangenen Jahr dort seine Habilitation abgeschlossen hat, wird vom Sommersemester an als Privatdozent an der Universität lehren. Dort wird er seine außerhalb der Hochschule gemachten Erfahrungen an die Studenten weitergeben können. Und das Kunststück versuchen, Philosophie als "Weltweisheit" zu vermitteln. Schließlich ist er einer der wenigen akademischen Philosophen, die noch etwas anderes als den Elfenbeinturm der Universität gesehen haben.

TIM CASPAR BOEHME